Aus der Sicht der Fahrerin und Ankunft auf der Estancia La Angostura

30.12.2017 – Nach einem guten Frühstück starten wir die für heute geplanten 380km auf einer gut ausgebauten und geteerten Ruta 40 nach Gobernador Gregores. Bevor es los geht wird nochmal getankt und unsere 3 schönen neuen zusätzlichen Kanister werden befüllt. Für heute haben wir uns mit dem ewigen Wind hier in Patagonien gut angefreundet, dieser ist heute mit ca. 90km irgendwie nicht so schlimm wie am Vortag, dort schlugen immer wieder Böen von 120km seitlich ins Mopped, das ist auf Dauer kein Spass und super anstrengend. Es ist zwar am Vormittag mit 10°C frisch, aber der Himmel strahlend blau. Auf der Hälfte der Strecke erreichen wir Bajo Caracoles, diese Dörfchen besteht aus 1-2 Häusern, der berühmten Tankstelle, in der es nicht immer verlässlich Sprit gibt und einem etwas abgeliebten Hotel – ein wenig erinnert es an die Herbergen auf irgendwelchen Passhöhen in den südlicheren Alpen.

Wir machen einen Stopp um uns aufzuwärmen und einen Kaffee zu trinken. Hier kommen wir mit einem netten Paar aus den Niederlanden ins Gespräch, die uns als hervorragende Übernachtungsmöglichkeit die „Estancia LA ANGOSTURA“ empfehlen, hier in der Abgeschiedenheit soll es sogar Flamingos geben. Diese befindet sich etwa auf der Hälfte der Ruta 29, die von der Ruta 40 abzweigt. Da das für uns trotz der Schotterpassage eher eine kleine Abkürzung ist, entscheiden wir spontan hier abzubiegen und nach einem Zimmer zu fragen.

Schon bald fällt auf, das bei der F800 selbst die zweite Heizstufe an den Handgriffen nicht zu spüren ist, seltsam… dann aus damit, vielleicht habe ich einfach kein Gefühl mehr dafür nach der langen Kälte, aber auch nach ein paar Kilometern weiter funktionieren die Heizgriffe nicht mehr. Jetzt leuchtet sogar die ABS Lampe rot, ich spreche mit Rüdiger das irgendwas in der Elektrik spinnt, jetzt fällt sogar immer wieder mal die gesamte Anzeige im Cockpit aus und im nächsten Moment geht der Motor auch noch aus. Mitten auf einer so gut wie nie befahrenen Schotterstrecke von einer Länge über 70km und in beide Richtungen ca. 100 bzw. 200km keine Ortschaft, besser kann man es nicht treffen
Da die Maschine so gar nicht mehr anspringen will, schließen wir unser Diagnosegerät an, um erstmal eine Fehleranalyse zu machen – wofür hat man das Gerät schließlich dabei. Der Schwerpunkt liegt aber immer bei der Bordspannung und Fehler im ABS. Das die Batterie nicht genügend Kraft hat, merken wir natürlich auch so und das ABS braucht auf diesem groben Pisten eh keiner. Nach der Starthilfe durch die große GS, springt auf die kleine GS wieder an, wir gucken das wir irgendwie zur Estancia kommen, beim Öffnen des Aussengatters zur Farm, fällt sie natürlich wieder aus und nach nochmaligen Überbrücken kommen wir tatsächlich bis kurz vors Haus, hier ist aber definitiv Ende.

Maria kann uns noch ein allerletztes (sehr einfaches) Zimmer mit Gemeinschaftsbad überm Hof anbieten, da sie am Abend noch eine Gruppe erwartet und die anderen Zimmer mit Private Bad reserviert sind. Wir sind natürlich dankbar das wir überhaupt unterkommen.

Als erstes prüfen wir nochmal die Batterie durch, aber diese ist mehr als tot und lässt sich auch nicht mehr überbrücken. Marias Mann kann uns mit einem Ladegerät helfen und so stellen wir die Batterie über Nacht zu uns ins Zimmer, damit sie laden kann – aber schon in der Nacht stellen wir fest das sie keinen Strom hält.

Da wir hier keinen Netzempfang haben und es auch kein Internet gibt, dürfen wir vom Festnetz im Haupthaus den AvD anrufen. Wozu haben wir eigens für diese Reise ein weltweites rundum Sorglospaket abgeschlossen? Dann wollen wir es jetzt auch nutzen. Der wenig freundliche junge Mann in Frankfurt erklärt uns zunächst einmal das wir uns in Argentinien selbst Hilfe organisieren müssen und wir später die Rechnung einreichen dürfen. Auch auf mehrfache Erklärung, das wir hier dringend auf Unterstützung angewiesen sind, weil wir evtl. einen Abschleppdienst, Ersatzteile oder Unterstützung bei der Recherche nach einer Werkstatt benötigen, verhallen in der Leitung – wir können ihm mit Mühe noch ein Aktenzeichen und seinen Namen rausleiern, dann ist das Gespräch beendet. Wir sind entsetzt und entsprechend Frustriert, aber das wird bestimmt zur Gegebenen Zeit noch ein Nachspiel haben.

Unsere gesamten Notizen über Werkstätten die Hilfe in Argentinien und Chile anbieten könnten liegen gut gesichert in der Cloud…

Wir erklären Maria unsere missliche Lage und sie sagt ein Freund in El Calfate (300km entfernt, wäre für uns eigentlich auch das nächste Ziel gewesen) hat eine große Werkstatt und fährt BMW – aber es ist nicht nur irgendeine Werkstatt, sondern DIE Werkstatt, die MotoAventura supporten soll. MotoAventura mit Sitz in Osorno/Chile ist der größte Motorradverleih und Motorradreiseanbieter in Südamerika. Über Silvester und Neujahr geht natürlich nichts, aber am Dienstag Abend kommt eine Motorradgruppe mit Transporter hier zur Estancia.

2 Gedanken zu “Aus der Sicht der Fahrerin und Ankunft auf der Estancia La Angostura

  1. Heiko ridder

    Hallo Angelika, Hallo Rüdiger,
    Wenn auch etwas spät, wünsche ich euch ein Schönes Jahr 2018 und noch einen hoffentlich jetzt pannenfreien Moppedurlaub in Südamerika..
    Ist das Problem mit der Bakterie schon gelöst?
    LG Heiko

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  2. Jens

    Hi,
    erstmal schönes neues Jahr und weiterhin gute Reise.

    /me, der seine Bildung bekanntermassen aus amerikanischen Spielfilmen und Fernsehwerbung liesst mit Erstaunen über die mangelnde Netzverfügbarkeit in nicht einmal völlig abgelegenen Weltgegenden! Angeblich hat ja sogar das E-Netz eine weltweite Abdeckung von 221%. Vodafon will ja sogar auf dem Mond Internetz einrichten. Also war wahrscheinlich nur der Akku leer.

    Nichts desto trotz: Warum lasst ihr die Lima nicht reparieren? Jede Elektromotorenreparaturwerkstatt könnte den Stator neu bewickeln.

    > Unsere gesamten Notizen über Werkstätten die Hilfe in Argentinien und Chile anbieten könnten > liegen gut gesichert in der Cloud…
    OK, jetzt ist mein Weltbild wieder in Ordnung: Die Cloud _ist_ sicher! Lügt die Werbung also
    doch nicht. Ansonsten gäbe es ja noch die Möglichkeit, einen Stator zu kaufenund per Luftfracht…
    Wenn ihr sowas wollen würdet: Emil ist jahrendt@t-online.de oder wenn das Internetz kaputt ist:
    +494027092883.

    Pannenfreie Weiterfahrt wünscht Euch
    Jens

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