Abschleppdienst

Am Abend vorher fährt er uns noch schnell in den nächsten Ort, damit wir genügend Bargeld zum Bezahlen abheben können, macht auch noch eine kundenfreundliche, vertrauensbildende Maßnahme und zeigt uns die Firma, sowie den PickUp mit dem es am nächsten Tag los gehen soll. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen um 6 Uhr und nach südamerikanischer Pünktlichkeit, mit gut 30 Minuten Verspätung, rollt der Wagen vor unser Motelzimmer. Keine 5 Minuten später, steht die „F“ auch schon knapp einen Meter höher auf dem Wagen, alles wird gut verzurrt, dann kann es los gehen.

Rüdiger fährt zunächst hinterher und friert bei morgendlichen 9°C, alle paar  Kilometer tauchen am Straßenrand massenweise Guanakos auf – das Gras an der Straße schmeckt ja immer am besten. Am späteren Vormittag nimmt der Wind extrem zu und wir tauschen die Positionen, die große GS ist jetzt vor uns und wird vom Wind ordentlich gebeutelt, seitliche Böen von ca. 100km sind anstrengend. Beide Fahrzeuge reduzieren das Tempo, zwischendurch kontrollieren wir die Zurrgurte, damit uns die kleine „F“ nicht davon fliegt.

Die 500km Fahrt sind recht kurzweilig, Walter –er will mir glaubhaft versichern, das das ein urtypischer spanischer Name ist- obwohl er kaum Englisch spricht und mein Spanisch nicht für eine große Konversation ausreicht, unterhalten wir uns prächtig und lachen viel. Mit den Händen, diversen Umschreibungen und Notizen und Zeichnungen in meinem Notizbuch haben wir viel zu erzählen.

Kurz vor unserem Ziel Rio Turbio (trüber Fluss) einer Kohleminenstadt kurz vor der Grenze zu Chile fällt beim Wagen das Schaltgetriebe aus, wir können nur noch im dritten Gang an- und weiterfahren. Am Ortseingang sehen wir schon brennende Reifen auf der Straße, die Arbeiter des Mienenwerks befinden sich im Streik, Autos werden mit den Fahnen traktiert, Rüdiger auf dem Mopped und uns im Abschleppwagen lassen sie nach ein paar freundlichen Worten ohne Probleme passieren.
Im Ort baut Walter erstmal den halben Wagen auseinander, schließlich will er am Nachmittag die Strecke wieder zurück fahren. Wir ziehen los um das restliche Geld für den Transport zu besorgen. Normalerweise kann man in Argentinien mit einer Karte pro Tag 3000 Argentinische Peso abheben. In Argentinien ist es aber häufig auch so, dass der Nachschub nicht gewährleistet ist und entweder nicht nachgefüllt wird, oder das Limit runtergesetzt wird, dann gibt es hat nur noch 500 Peso. Wir steuern drei Banken an und haben mit keiner Karte Erfolg. Wir sprechen mit Walter, ob wir neben dem Hauptbetrag in Argentinischen Peso mit unseren restlichen Dollar und ein paar Chilenischen Peso auffüllen können. Aber auch nach Rücksprache mit seinem Chef… Chilenische Peso in keinem Fall!!! Ok, wir wussten das beide Länder Probleme miteinander haben, aber das sie nicht mal das Geld des anderen annehmen wollen. Rüdiger zieht nochmal los, um in einer Bank den Umtausch zu versuchen. Irgendwann haben wir dann das Geld vollständig in Arg. Peso zusammen und die Maschine kann abgeladen werden. Die Batterie hatten wir in der Nacht aufgeladen und so braucht nur der schlappe Vorderreifen wieder eine volle Dosis Luft und so kommen wir 3-4km hinter Rio Turbio über die Grenze. Auch diesmal wieder alles reibungslos. Die Chilenen wollen wie immer wissen, ob wir frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch, Wurst etc. dabei haben und werfen bei beiden Moppeds nur einen kurzer Blick in jeweils einen Koffer – alles gut. Nach knapp 20km erreichen wir glücklich Puerto Natales, auf direktem Weg steuern wir erstmal den Schalter der Navimag Fähre an und hoffen inständig noch zwei Tickets für uns und die Motorräder für den kommenden Dienstag (16.01.) nach Puerto Montt (von dort noch 102km bis Osorno) zu bekommen (die Fähre fährt nur 1x pro Woche) eine online Buchung für die Fahrzeuge ist bei Navimag leider nicht möglich. Wir wollen einfach nur auf dem schnellsten und kürzesten Wege nach Osorno um die Reparatur durchführen zu lassen… und wir bekommen unser zwei Tickets 🙂 …alles wird gut.

Und jeden Abend schön aufladen:

2 Gedanken zu “Abschleppdienst

  1. Hallo Angelika und Rüdiger,
    Verfolge eure Tour und bin überrascht von den technischen Problemen bei der BMW..
    Hoffe ihr bekommt in Orsono die LM und habt wieder ´Freude am Fahren ´
    Wenn ihr irgendwelche Hilfe gebrauchen könnt, meldet euch einfach. Mit stabilem Internet und einer guten BMW-Werkstatt läßt sich vielleicht auch von Deutschland was erreichen!
    Ansonsten alles Gute und noch viel Spaß auf eurer Tour
    Liebe Grüße
    Lothar

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