Puerto Ingeniero Ibanés

Die 120km von Coyhaique bis Puerto Ingeniero Ibanés, sind schnell abgefahren und wir treffen schon am frühen Nachmittag dort ein. Der kleine Ort mit 1000 Einwohnern, wirkt menschenleer, eine keine Cabana ist schnell gefunden. Beim Abendspaziergang begleitet uns sogar der Hund des Besitzers. Ich nenne sie Michaela – keine Ahnung warum, aber bis auf die Jagd nach einem kleinen Hasen und das ausbüchsen auf eine Rinderweide, wo sie sich fast mit 5 schwarzen mächtigen Tieren anlegen will und noch ein paar Vögel hochschreckt, hört sie fast aus Wort…

Im Chilenischen Baumarkt

Habe ich je erwähnt das ich Baumärkte liebe? Na, dann ist das jetzt auch mal raus 😉 was bietet sich mehr an, wenn man viel Zeit hat auch mal im Ausland den hiesigen Baumarkt zu besichtigen… Nein Spass beiseite, aber da wir nun erst am nächsten Tag um 11 Uhr die Fähre von Puerto Ingeniero Ibanés nehmen konnten, beschlossen wir die Zeit zu nutzen und uns gleich hier im Ort mit zusätzlichen Benzinkanistern auszustatten:

Warum? In Argentinien werden wir teilweise Strecken fahren, die unsere Reichweite bei weitem überschreiten, die Tankstellen in Argentinien regelmässig bestreikt werden (manchmal tagelang kein Sprit zu bekommen ist) oder wie auf dem Teilabschnitt am Samstag, bekanntermaßen, der Tankwart voll und die Tankstelle leer ist – das erzählte man uns sogar in Chile…

Ab jetzt bestimmen Wind und Wetter unser Reisetempo

Die Nachtfähre von Chiloé legte pünktlich um 17 Uhr ab und traf am stockfinsteren Morgen um 5 Uhr in Puerto Cisnes ein.

Wir hatten die Nacht in den Pullmannsesseln unbequem und während der ersten Hälfte der Nacht mit starkem Seegang, eher mässig geschlafen. Nachdem wir die eiligen Pickups und Trucks erstmal haben vorfahren lassen, sind wir mangels Einkehrmöglichkeit, dann doch im Dunkeln aufgebrochen und gegen 6 Uhr wurde es dann langsam hell, so das wir trotz Nieselregens, die wunderschöne Berglandschaft genießen konnten. Nach nur 120km kam dann endlich eine kleine Ortschaft mit einer Tankstelle, die auch guten Kaffee ausschenkte, mit jeweils drei Keksen im Magen, ging es dann nochmal gut 100km weiter. In Coyhaique wurden wir dann ganz liebevoll von Sandra, Thomas und ihrem kleinen Sohn aufgenommen. Die beiden waren bereits vor 18 Jahren nach Patagonien ausgewandert und haben die besten Matratzen und eine kräftige, funktionierende heisse Dusche. Aber das Beste: getrennte Bettdecken 😉 Wer schon häufiger in südlichen Ländern unterwegs war, kennt sicher das Übel eines Leinentuchs mit Wolldecke, das fest unter der Matratze eingesteckt ist, so das sich Nachts keiner wohl fühlt und bewegen kann.

Am frühen Morgen, und irgend wann wird es doch noch hell:

Blick auf Coyhaique:

Thomas gab uns den Tipp, statt mit der Fähre über den Lago General Carrera (unser ursprünglicher Plan), die Strecke aussenrum zu fahren, damit wir die Marmorhöhlen in Puerto Tranquilo besichtigen und eine Gletscherwanderung am übernächsten Tag unternehmen können. Das hätte für uns bedeutet, das wir mindestens 2 weitere Nächte in dem Gebiet hätten verbringen müssen. Zusätzlich sagte der Wetterbericht für diese Region Regen voraus und diese Strecke besteht aus ca. 300km Schotter, zum Teil Schotter der übleren Sorte. Dann kam der nächste Tipp: landschaftlich noch interessanter, weiter südlich über die Grenze zu fahren (460 km Schotter). Beides sehr reizvoll, hätte aber unseren Zeitplan völlig durcheinander gebracht, da unsere Reisegeschwindigkeit auf losem Untergrund dieser Sorte doch eher bei 30 km/h als bei 50 km/h liegt. Die gerade anreisenden Gäste bekräfitgten, daß auch mit einem 4×4 Pick-Up eigige Passagen nicht so ganz ohne waren. So entschlossen wir uns schweren Herzens doch unser ursprüngliche Route zu nehmen. Am nächsten Morgen gingen wir in Coyhaique gleich zum Fährbüro – die Fähre am gleichen Abend war jedoch bereits ausgebucht und wir bekamen auf einer außerplanmäßigen Fahrt am nächsten Morgen noch 2 Plätze.

 

 

 

Isla de Chiloé

Kurz hinter Puerto Mont haben wir Vorgestern die Insel Chiloé erreicht. Eine kleine Fähre hat uns dort nach knapp 30 Minuten ausgespuckt.

Auf der nach Feuerland zweitgrößten Insel Südamerikas, hat man fast den Eindruck auf Irland angekommen zu sein. Dichter Nebel und Nieselregen (… ok, mein Tourguide meint gerade, daß das eher eine tropische Regendusche war) empfängt uns, aber man erahnt die sanften grünen Hügel. Auf Grund des Wetters verzichten wir auf einen direkten Abstecher zu den Pinguinkolonien.

Wir finden ein etwas abgeliebtes Hotel in Castro. Der Ort selbst ist berühmt für seine Palafitos (Pfahlbauten).

Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist die frisch restaurierte Kathedrale, diese gehört zu den 16 Holzkirchen Chiloés, die UNESCO Weltkulturerbe sind.

 

Das Ende der Panamericana

Die Panamericana, hier in Chile auch als Ruta 5 bekannt, verläuft mit wenigen Unterbrechungen von Alaska bis Chile, Gesamtlänge ca. 30000km. Hier gehen die Meinungen allerdings etwas auseinander, die einen sagen 25000km, anderen sprechen von 48000km, dazu zählen dann aber auch noch einige Querverbindungen.

Wir schaffen davon gerade mal 10%. Der größte Teil in Chile ist eine vierspurrig ausgebaute autobahnähnliche Strecke und einfach nur nervig zu fahren.  Es gibt alle paar Kilometer eine Busshaltestelle, von woaus der jeweilige Buss in einem Schneckentempo wieder auf den Fahrstreifen wechselt, Spaziergänger die einfach mal über die Leiplanken hüpfen, um auf die andere Seite zu gelangen, auf dem Seitenstreifen entgegenkommende Radfahrer und mangels Raststätten immer wieder Obst- und Imbissstände, sowie direkte Einfahrten zu Privatgelände und glaublich viele Trucks, die meisten mit Holz beladen, wovon dann immer mal wieder kleine Teilchen umherfliegen. Kein Spass 😦

Dieser Zustand endete erst heute Vormittag in Puerto Mont und hier auf der Insel Chiloé wird sie dann endlich zu einer schönen Landstraße mit wenig Verkehr. Morgen werden wir uns die letzten 80km der Pamamericana vornehmen, diese endet dann in Quellón.

Von dort werden wir morgen abend um 17 Uhr die Nachtfähre nach Puerto Cisnes nehmen und wenn wir halbwegs ausgeschalfen von Bord gehen, wollen wir Coyhaique erreichen.

Heiligabend in Chile

Weihnachten läuft hier deutlich entspannter ab, als wir das Fest normalerweise feiern. Am 24.12. fahren die Chilen entweder an einen See oder ans Meer und grillen was das Zeug hält oder man isst einen mit Kastanien gefüllten Truthahn und ein süsses Weihnachtsbrot. Geschenke gibt es am Morgen des 25ten.

Wir haben  gestern Abend den weltbesten Burger (250g Rinderhack, frische Tomaten, Pilze, Zwiebeln und Käse im Teigmantel) in Puerto Varas gegessen und durch den Nieselregen auf den See geschaut.

Dabei diesen Herrn hier mit seiner Freundin flanieren sehen:

Als wir heute Früh in unserer Backpacker Herberge zum Frühstück wollten (von einer Schwedin und einem Chilen geführt) fand wir diese niedlichen Serviettenschühchen mit Lübeker Marzipan Herzen vor unserer Türe:

…mehr geht nicht 🙂

 

 

 

Und was sich zwischendurch so ergab…

21.12. Auf der Route 68 fahren wir wieder aus Valpo heraus, biegen dann aber auf kleine Straßen ab und halten uns in der Nähe der Küste südwärts. Wir kommen am größten Hotelpool der Welt vorbei – aber die Hotelanlage ist abgesperrt und so können wir nur bei der Anfahrt einen Blick auf die Anlage „San Alfonso del Mar“ erhaschen. Unser Tagesziel ist die Surferhochburg  Pichilemu. Dort genießen wir den Abend bei frischem Merluza (Seehecht) mit Blick auf den Pazifik. Am nächsten morgen dieser Blick aus unserem Bett:

22.12. Wir fahren weiter entlang am Pazifik auf Constitucion zu, irgendwann enden die Asphalt Straßen bei der Laguna Reloca, einem Vogelschutzgebiet. Wir fahren ca. 40 km mit vielen Umleitungen über z.T. extrem schlechte Schotterpisten. Ein Baustellentrupp will uns mit den Motorrädern auf keinen Fall den Berg hinauf passieren lassen… vielleicht auch besser so, trotz der Stollenbereifung sind einige Strecken mit der vollen Beladung kein Spass.  Einmal kommt ein schnell fahrender LKW Angelika gefährlich nahe – für Motorradfahrer bremst er nicht… Kurz vor Constitucion gibt es noch die Dünen von Putu zu bewundern, eine unbekannte und dennoch große Attraktion Chiles. Von der Straße sind die Dünen nicht erreichbar, so bleibt uns nur der Eindruck der Küste nördlich von Putu mit kleineren Dünen. Abends quartieren wir uns in der Nähe von Chillian, in einem etwas abgewohnten Motel ein, schlafen aber unerwartet gut.

23.12. In Chilian fahren wir zum Entel Shop, um unsere chilenische SIM aufzuladen. Das geht dort nicht direkt,  man schickt uns zum Aufladen des Guthabens in die Apotheke (ja… fanden wir auch komisch, bestimmt finden wir noch heraus,  warum man mit diesem Schmerz in die Apotheke muss), 200 m weiter hat uns dann der freundliche Mitarbeiter erklärt, wie wir unser  Guthaben in GB umsetzen können….

Was steht immer im Stern? Zitat: „Die Welt ist ein seltsamer Ort.“

Nach diesem Abenteuer besuchen wir die Wasserfälle Salto del Laja, die höchsten Chiles. Die sind zwar ganz nett anzusehen, aber leider fließt im Hochsommer doch recht wenig Wasser und ich glaube wir sind hier durch unsere Touren durch Norwegen und Island etwas verwöhnt.


Auf dem Parkplatz begegnen wir noch einem belgischen Harleyfahrer,  mit seinen Chilenischen Freunden, der 2010 ausgewandert ist. Nach einem netten Plausch fahren wir über die Autobahn Panamericana Sur weiter zu unserem Etappenziel Panguipulli. Wir hatten zwar ein Zimmer vorgebucht, finden aber nach Google Beschreibung die Unterkunft nicht – also dort angerufen und nach der Beschreibung fahren: nach dem Ende der Straße noch ein knapper Kilometer Schotter und dann rechts ab, den Hang über ausgewaschenem Grobschotter hinauf. Die Kuh driftet trotz Stolle ab – das Kalb war da zahmer. Dank der wohl etwas chaotischen Buchführung der Wirtin bekommen wir dann statt des Zimmers eine große Hütte, in der auch gut 4 Personen Platz haben, mit Blick auf den See und den Vulkan Lanin. Bei diesem traumhaften Blick schmeckten unsere Brote und das Chilenische Bier gleich viel besser.

Valparaiso

Valparaiso, auch kurz Valpo genannt, ist Hauptstadt der Region, Parlamentssitz und mit ca. 290000 Menschen eine der größten Städte Chiles. In der Hafenstadt werden jährlich rund 11 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Große Teile des Hafens wurden zu Beginn des Jahrhunderts privatisiert; die Konzession erwarb ein chilenisch-deutsches Konsortium, mit Beteiligung der Hamburger Hafengesellschaft.

Die Stadt ist ein buntes Gesamtkunstwerk, schön sind die zum Teil über 130 Jahre alten Schrägaufzüge von ursprünglich 30 sind heute nur noch eine Handvoll in Betrieb. Viele Häuser am Hang sind bunt verziert, fast jedes wurde von Graffiti-Künstlern verschönert. Wir können uns fast nicht satt sehen und fotografieren, was das Zeug hergibt 😉 – danach genießen wir unseren ersten Pisco Sour in einem schönen Restaurant mit Blick über die Unterstadt und den Pazifik und lassen den Abend ausklingen.

Feliz Navidad

Da wir in den letzten beiden Tage in unserer jeweiligen Unterkunft kein WLAN hatten und nicht wissen was uns morgen Abend erwartet…, wollen wir auf diesem Wege schon einmal allen ein wunderbares Weihnachtsfest wünschen, lasst es Euch gut gehen und genießt die Stunden mit Euren Lieben. Für uns die ja sonst immer beim Skifahren in den Bergen sind und den Schnee genießen, fühlt sich dieses Weihnachten sehr komisch an, bis gerade um kurz vor 22 Uhr sind wir auf unserer Terrasse mit Blick auf den See (Panguipulli) gesessen, allerdings mit einem schneebedeckten Vukan im Hintergrund (Lanin).