Das wir beim ersten Aufenthalt in Puerto Natales schlechtes Wetter und Regen hatten, wollen wir die Zeit bis zur Abfahrt der Fähre nutzen um den Ort und die Umgebung besser kennen zu lernen. Heute versuchen wir es ohne booking.com und kommen an einem Hostal vorbei das schon von außen einen ganz guten Eindruck macht. Wir werden gleich super nett wie zwei alte Bekannte begrüßt, aber Lucy erklärt uns das in diesem Haus für drei Nächte nichts mehr frei ist, aber ein paar Blöcke weiter, haben sie noch eine weitere Dependance, die Zimmer wären genauso schön und wir sollen dort nach Miguel fragen, und er soll uns den Preis pro Nacht um 5000 Peso reduzieren und die private Garage frei machen, damit wir uns dort mit den beiden Moppeds reinstellen können – wir sind immer wieder überrascht wie unglaublich nett die Leute hier sind. Am Samstag Morgen helfen Miguel und sein Sohn uns, eine Gomeria (kleine Reifenwerkstatt, die eigentlich immer alles wieder zusammen flicken) zu finden –in jedem anderen Ort, gibt es die gefühlt an jeder Straßenecke– vielleicht kann er den Schlauch flicken. Man sagt uns noch das wir dort in keinem Fall vor 10:30Uhr erscheinen sollen, da der Mann gerne etwas länger schläft, als wir ihn gegen Mittag aus dem Bett klingeln, öffnet ein älteres Männchen der so aussieht als wenn er eine etwas anstrengendere nach hinter sich hat. Er will erst am Montag reparieren und wir sollen einen neuen Schlauch mitbringen. Wir stromern den halben Nachmittag durch den Ort, ein 21 Zoll Schlauch ist natürlich nicht zu bekommen. Mangels weiterer Gomerias steuern wir die Werkstatt am Montag nochmal an, jetzt ist sogar ein jüngerer Mitarbeiter da, aber Motorräder repariert er nicht 😦 . Am Freitag, wenn wir mit der Fähre in Puerto Montt ankommen, muß der Reifenpilot dran glauben…..
Abschleppdienst
Am Abend vorher fährt er uns noch schnell in den nächsten Ort, damit wir genügend Bargeld zum Bezahlen abheben können, macht auch noch eine kundenfreundliche, vertrauensbildende Maßnahme und zeigt uns die Firma, sowie den PickUp mit dem es am nächsten Tag los gehen soll. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen um 6 Uhr und nach südamerikanischer Pünktlichkeit, mit gut 30 Minuten Verspätung, rollt der Wagen vor unser Motelzimmer. Keine 5 Minuten später, steht die „F“ auch schon knapp einen Meter höher auf dem Wagen, alles wird gut verzurrt, dann kann es los gehen.


Rüdiger fährt zunächst hinterher und friert bei morgendlichen 9°C, alle paar Kilometer tauchen am Straßenrand massenweise Guanakos auf – das Gras an der Straße schmeckt ja immer am besten. Am späteren Vormittag nimmt der Wind extrem zu und wir tauschen die Positionen, die große GS ist jetzt vor uns und wird vom Wind ordentlich gebeutelt, seitliche Böen von ca. 100km sind anstrengend. Beide Fahrzeuge reduzieren das Tempo, zwischendurch kontrollieren wir die Zurrgurte, damit uns die kleine „F“ nicht davon fliegt.
Die 500km Fahrt sind recht kurzweilig, Walter –er will mir glaubhaft versichern, das das ein urtypischer spanischer Name ist- obwohl er kaum Englisch spricht und mein Spanisch nicht für eine große Konversation ausreicht, unterhalten wir uns prächtig und lachen viel. Mit den Händen, diversen Umschreibungen und Notizen und Zeichnungen in meinem Notizbuch haben wir viel zu erzählen.
Kurz vor unserem Ziel Rio Turbio (trüber Fluss) einer Kohleminenstadt kurz vor der Grenze zu Chile fällt beim Wagen das Schaltgetriebe aus, wir können nur noch im dritten Gang an- und weiterfahren. Am Ortseingang sehen wir schon brennende Reifen auf der Straße, die Arbeiter des Mienenwerks befinden sich im Streik, Autos werden mit den Fahnen traktiert, Rüdiger auf dem Mopped und uns im Abschleppwagen lassen sie nach ein paar freundlichen Worten ohne Probleme passieren.
Im Ort baut Walter erstmal den halben Wagen auseinander, schließlich will er am Nachmittag die Strecke wieder zurück fahren. Wir ziehen los um das restliche Geld für den Transport zu besorgen. Normalerweise kann man in Argentinien mit einer Karte pro Tag 3000 Argentinische Peso abheben. In Argentinien ist es aber häufig auch so, dass der Nachschub nicht gewährleistet ist und entweder nicht nachgefüllt wird, oder das Limit runtergesetzt wird, dann gibt es hat nur noch 500 Peso. Wir steuern drei Banken an und haben mit keiner Karte Erfolg. Wir sprechen mit Walter, ob wir neben dem Hauptbetrag in Argentinischen Peso mit unseren restlichen Dollar und ein paar Chilenischen Peso auffüllen können. Aber auch nach Rücksprache mit seinem Chef… Chilenische Peso in keinem Fall!!! Ok, wir wussten das beide Länder Probleme miteinander haben, aber das sie nicht mal das Geld des anderen annehmen wollen. Rüdiger zieht nochmal los, um in einer Bank den Umtausch zu versuchen. Irgendwann haben wir dann das Geld vollständig in Arg. Peso zusammen und die Maschine kann abgeladen werden. Die Batterie hatten wir in der Nacht aufgeladen und so braucht nur der schlappe Vorderreifen wieder eine volle Dosis Luft und so kommen wir 3-4km hinter Rio Turbio über die Grenze. Auch diesmal wieder alles reibungslos. Die Chilenen wollen wie immer wissen, ob wir frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch, Wurst etc. dabei haben und werfen bei beiden Moppeds nur einen kurzer Blick in jeweils einen Koffer – alles gut. Nach knapp 20km erreichen wir glücklich Puerto Natales, auf direktem Weg steuern wir erstmal den Schalter der Navimag Fähre an und hoffen inständig noch zwei Tickets für uns und die Motorräder für den kommenden Dienstag (16.01.) nach Puerto Montt (von dort noch 102km bis Osorno) zu bekommen (die Fähre fährt nur 1x pro Woche) eine online Buchung für die Fahrzeuge ist bei Navimag leider nicht möglich. Wir wollen einfach nur auf dem schnellsten und kürzesten Wege nach Osorno um die Reparatur durchführen zu lassen… und wir bekommen unser zwei Tickets 🙂 …alles wird gut.
Und jeden Abend schön aufladen:

Coast to Coast – vom Pazifik zum Atlantik
Puerto Natales erreichen wir im Regen, die ganze Strecke von El Calafate über die Tankstelle La Esperanza (ist das die Hoffnung auf Benzin?) bis kurz vor die Grenze bläst der Wind, pünktlich zum Grenzübergang fängt es an zu regnen. Dazu spielt uns das Garmin noch einen kleinen Streich und wählt von den beiden fast nebeneinander liegenden Grenzübergängen natürlich denjenigen, der keinen Asphalt hat. Im Regen haben wir nun wenig Lust auf großes Sightseeing – wir finden am Hauptplatz eine kleine Pizzeria mit 2 langen Tischen und leckerem Essen sowie Bier aus einer „Microbrauerei“ (am Haus hängt dann noch ein Schild des schweizerischen Honorarkonsulars).

Morgens ist es wieder gutes Wetter (besser als vorhergesagt – deswegen hatten wir nur eine Nacht vorgesehen und den Nationalpark Torres del Paine schweren Herzens nicht besucht). Nun sind wir auf dem Weg nach Punta Arenas (250 km), nur in Villa Tehuelches (150 Einwohner) müssen wir einmal kurz bremsen und trinken einen Kaffee.

Punta Arenas (separater Beitrag folgt) soll die schönste Patagonische Stadt sein – wir finden ein sehr neues (und etwas teureres) Hostal, in dem wir uns für 3 Nächte einquartieren. Aber erst mal wollen wir die Straße 9 in Chile bis zum Ende fahren – der Asphalt endet und dann geht es noch 20 km durch den Staub, bevor es die letzten Kilometer (5…10) bis zum südlichsten Punkt Kontinentalamerikas nur noch zu Fuß weiter zu erkunden ist (das erscheint uns aber vor dem Hintergrund, daß wir schon 70 km südlich von Punta Arenas sind und es auf 17 Uhr zugeht, doch etwas zu weit….




Wir verbringen einen Tag mit viel Telefoniererei um die Lichtmascheine für das Kalb nach Chile senden zu lassen – der AvD war nun nach Rüdigers Worten etwas hilfsbereiter, behauptet dann aber plötzlich, daß unsere Reise, da die länger als 6 Wochen dauert, keine Reise sondern ein Auslandsaufenthalt wäre (anhand der veröffentlichten Unterlagen kann ich das nicht nachvollziehen). Nebenher schauen wir uns noch Punta Arenas an und im Verhältnis zu anderen chilenischen Städten ist die Stadt nicht häßlich (aber im Verhältnis zu vielen europäischen Städten nicht besonders sehenswert). Ohne Pinguine zu sehen wollen wir auch nicht fort – kurzentschlossen machen wir einen organisierten Ausflug nach Feuerland zu einer kleinen Kolonie von ca. 70-80 Königspinguinen (alternativ hätten wir auch die kleineren Magellan Pinguine, von denen ca. 200000 / in Worten: zweihunderttausend / auf den Magdalena-Inseln leben, besuchen können). Die Tour dauert einen ganzen Tag und stellt sich nachher als Busfahrt über ca. 400 km dar, wir kommen auf dieser Fahrt bis auf gut 300 km an Ushuaia heran.
Selk´nam, die Ureinwohner Feuerlands:

Feuerland, am Ende der Welt:

Köpi:

Da Angelikas Mopped recht konstant läuft wird es jetzt Zeit für uns nach Norden zu fahren: erste Etappe soll bis Rio Gallegos gehen (260 km mit einem Grenzübergang). Die sind schnell heruntergespult, es wird Richtung Atlantik deutlich wärmer, aber: vor dem Hotel springt Angelikas Mopped nicht mehr an. Unser neu erstandenes Ladegerät zeigte eine Kapazität von unter 20% an – also laden und nächsten Tag weiter.
Es sollte gute 350 km nach Norden gehen – knapp die Hälfte der Strecke bis in die nächste Stadt Commodore Rivadera. Aber es kommt mal wieder anders – das Kalb hat vorne einen Platten und am Reifen ist nichts zu erkennen. Somit erst einmal aufgepumpt und los – keine besonderen Vorkommnisse bis …. Nach ca. 50 km fällt der Druck langsam ab. Nach 90 km müssen wir nachpumpen und bei 240 km nochmal, sowie die Batterie per Überbrückung 15 Minuten schnellladen. Wir stranden bei einer (der ersten (!!) seit Rio Gallegos) Tankstelle an der Hauptroute Ruta 3. So jedenfalls kommen wir nicht die nächsten 2000 km nach Osorno zur Lichtmaschine. Wir sichern uns erst einmal eines der Motelzimmer (bevor wir sehen, daß es ein deutlich ruhigeres Hotel abseits auf der anderen Seite der Straße gibt) und suchen einen Abschleppunternehmer, der uns zurück an die chilenische Grenze bringt. Unsere Pannenhilfe vom AvD haben wir per App benachrichtigt – nach einer Stunde mal nachgefragt und gehört, daß da keine Pannenmeldung angekommen sei. Mit den Koordinaten aus deren eigener App konnten die auch nichts anfangen und Angelika telefoniert fast eine halbe Stunde mit der Notrufzentrale um hinterher zu hören, daß man in Argentinien keine Pannenhilfe anbietet (im Vertrag steht weltweit wird es vom AvD organisiert (!!)).
Zum Abenteuer 500 km im Abschleppwagen durch die Prärie / Pampa folgt ein neuer Bericht….
Perito-Moreno-Gletscher (Argentinien)
05.01. Von Calafate machen wir am nächsten Morgen einen keinen Ausflug (80km) in den Nationalpark Los Glaciares, dieser ist 600.000 Hektar groß und man kommt von hier zum Perito-Moreno-Gletscher im Süden, sowie zum Fritz-Roy-Massiv im Norden. Das besondere an diesem Gletscher ist, das sich die 60 Meter hohe und 4km breite Eiswand aus dem Lago Argentino erhebt und zur Zeit bis auf wenige Meter an die Halbinsel Magelanes ranschiebt. Da man von dieser gegenüberliegenden Seite alles prima auf Metallstegen erwandern kann und dicht genug heran kommt, sparen wir uns die teure Bootsfahrt, denn diese halten auch reichlich Abstand. Als wir dort sind beginnt gerad ein lautes Getöse und Krachen im Eis, kurz darauf fallen kleiner Teile ins Wasser. Der Perito-Moreno-Gletscher ist einer der wenigen Gletscher diese Welt, der noch Jahr für Jahr um einige Meter wächst.




El Calafate (Argentinien)
Auf dem Weg von der Estancia nach El Calafate, Fernverkehrsstraße Ruta 40:

Ein kleiner lebhafter Ort mit 18000 Einwohner direkt am Südufer des Lago Argentino gelegen, dieser typische Gletschsee der patagonischen Anden, bedeckt mit seinem milchig-grünen Gletscherwasser eine Fläche von 1600 km² und ist so der größte See Argentiniens und der drittgrößte Südamerikas. Alles lebt von Tourismus und man kann Ausflüge und Aktivitäten jeder Art buchen. Der Name Calafate kommt von der gleichnamigen Strauchpflanze, die bis zu 1,5m hoch wächst. Die Frucht sieht aus wie unsere Blaubeere, schmeckt aber extrem sauer und bitter – ist mit ihren Antioxidantien extrem gesund und man sagt, wer sie je probiert hat, kommt bestimmt nach Patagonien zurück… haben wir natürlich gleich gemacht 😉

Nachdem wir mein Mopped zum Durchnmessen abgegeben haben, kaufen wir in der kleinen Werkstatt gleich noch eine neue Batterie, um sie dem Tourguide der MotoAventura Gruppe zurückzugeben – der Preis ist mit 150 EUR fast dreimal so hoch wie bei uns. Mateo sagt uns aber gleich, das er sie nur zum Überprüfen und Aufladen der Batterie dabehält, an BMWs schrauben sie nicht und ich soll mir auch besser gleich mal ein vernünftiges Mopped kaufen… ok, er meint es nur im Spass, ich habe ihn trozdem zu uns nach Hamburg eingeladen, wenn er nächstes Jahr seinen Kumpel in Köln besucht.
Wir quartieren uns 3 Nächte ein, um ein bischen Zeit zu haben, den Ort und die Umgebung zu erkunden. Am nächsten Morgen geben wir zwei große Tüten in der Wäscherei ab, schon am gleichen Abend sind unsere Sachen sauber, trocken und schön zusammen gelegt und es kostet gerade mal 12 Euro. Wir schlendern durch die Gassen und geniessen das Leben und treffen plötzlich Roberto aus Peru wieder, der uns schon auf der Ruta 40 Hilfe angeboten hatte, als wir dort liegen geblieben waren …witziger Weise fährt er das selbige Mopped in gleicher Farbe. Er hatte am Vortag einen bösen Sturz, ihm geht es gut, aber an der F800 sind etliche Teile der Verkleidung gebrochen. Ersatz gibt es in Peru nicht und so habe ich versprochen nach unserer Rückkehr in Deutschland nach Ersatzverkleidung und anderen Teilen zu suchen… und wenn das hier alles so teuer ist, könnte ich vielleicht einen Handel aufmachen 😉


Und weil man dieses Motorrad so selten sieht, treffen wir am nächsten Tag noch zwei Jungs aus Südkorea, wieder einer mit einer gelben F, die Überaschung ist auf beiden Seiten groß, wir verstehen uns und lachen viel, aber ich weiss nicht wie man sich einen Reifen so dermaßen kaputt fahren kann, das sämtliche Drähte raushängen:



Estancia La Angostura
Da wir immerhin drei Tage bzw. vier Nächte auf der Estancia La Angostura verbracht haben, hat dieser Ort und besonders seine Menschen einen extra Beitrag verdient. Eine Estancia ist mit dem Bauernhof bei uns oder einer Farm vergleichbar, gleichzeitig bieten viele auch Zimmer, Cabanas (Hütten) oder auch Campingplätze an.


Auf der Estancia La Angostura werden unterschiedliche Zimmer und Stellplätze für Camper angeboten. Wobei unter Camper max. die kleinen Wagen zu verstehen sind, bei denen man das Zelt als Dachaufbau rausziehen kann, größere Wohnwagen hätten auf diesen Pisten keine Chance. Gezeltet haben, als wir dort waren ein Motorradpaar aus Colorado, die bereits seit vier Monaten unterwegs waren und ein Paar ähnlich lang aus Pennsylvania.
Maria die ursprünglich aus Buenos Aires kommt und ihr Mann xxx bewirtschaften die Estancia mit Hilfe eines Mitarbeiters, der sich hauptsächlich ums Vieh kümmert (oder mit Rüdiger Matetee trinkt) und seiner Frau, die sich um die Reinigung der Zimmer kümmert.
Darüber hinaus wohnt im Haupthaus, wie in jeder Saison eine Praktikantin, die Maria bei allen Hausarbeiten unterstützt.
Auf dem Hof gibt es in erster Linie eine riesige Schafsherde, die am Tag draußen von einigen Hunden vor dem in den umliegenden Bergen lebenden Puma geschützt werden. Zwei davon hängen im Haupthaus vor dem Kamin bzw. liegen unter dem Tisch. Nach dem Fell zu urteilen, müssen das unglaublich große Kätzchen sein.
Es toben einige Pferde frei umher und jeder Gast kann natürlich zu einem Ausritt satteln. Ein kleiner Teil der Estancia wirkt wie ein Vogelschutzreservat und es gibt sogar Flamingos – das Ganze ist eine wunderschönes Idylle – aber wenn man Nachts raus muss, so wie wir als wir in unser ersten Nacht das Bad im Nebenhaus nutzen mussten, wird einem schon anders, bei so viel Wildnis.


Am ersten und letzten Abend haben wir ein typisches Asado genossen:

Und Silvester im kleinen Kreis einen schönen Abend gehabt. Maria hat ein tolles Büffet gezaubert:

Argentinisch-Belgisch-Deutsche Abwaschgemeinschaft:

Und wenn man ganz genau in die Pampa schaut, wächst dort auch was:


Aus der Sicht der Fahrerin und Ankunft auf der Estancia La Angostura
30.12.2017 – Nach einem guten Frühstück starten wir die für heute geplanten 380km auf einer gut ausgebauten und geteerten Ruta 40 nach Gobernador Gregores. Bevor es los geht wird nochmal getankt und unsere 3 schönen neuen zusätzlichen Kanister werden befüllt. Für heute haben wir uns mit dem ewigen Wind hier in Patagonien gut angefreundet, dieser ist heute mit ca. 90km irgendwie nicht so schlimm wie am Vortag, dort schlugen immer wieder Böen von 120km seitlich ins Mopped, das ist auf Dauer kein Spass und super anstrengend. Es ist zwar am Vormittag mit 10°C frisch, aber der Himmel strahlend blau. Auf der Hälfte der Strecke erreichen wir Bajo Caracoles, diese Dörfchen besteht aus 1-2 Häusern, der berühmten Tankstelle, in der es nicht immer verlässlich Sprit gibt und einem etwas abgeliebten Hotel – ein wenig erinnert es an die Herbergen auf irgendwelchen Passhöhen in den südlicheren Alpen.


Wir machen einen Stopp um uns aufzuwärmen und einen Kaffee zu trinken. Hier kommen wir mit einem netten Paar aus den Niederlanden ins Gespräch, die uns als hervorragende Übernachtungsmöglichkeit die „Estancia LA ANGOSTURA“ empfehlen, hier in der Abgeschiedenheit soll es sogar Flamingos geben. Diese befindet sich etwa auf der Hälfte der Ruta 29, die von der Ruta 40 abzweigt. Da das für uns trotz der Schotterpassage eher eine kleine Abkürzung ist, entscheiden wir spontan hier abzubiegen und nach einem Zimmer zu fragen.
Schon bald fällt auf, das bei der F800 selbst die zweite Heizstufe an den Handgriffen nicht zu spüren ist, seltsam… dann aus damit, vielleicht habe ich einfach kein Gefühl mehr dafür nach der langen Kälte, aber auch nach ein paar Kilometern weiter funktionieren die Heizgriffe nicht mehr. Jetzt leuchtet sogar die ABS Lampe rot, ich spreche mit Rüdiger das irgendwas in der Elektrik spinnt, jetzt fällt sogar immer wieder mal die gesamte Anzeige im Cockpit aus und im nächsten Moment geht der Motor auch noch aus. Mitten auf einer so gut wie nie befahrenen Schotterstrecke von einer Länge über 70km und in beide Richtungen ca. 100 bzw. 200km keine Ortschaft, besser kann man es nicht treffen
Da die Maschine so gar nicht mehr anspringen will, schließen wir unser Diagnosegerät an, um erstmal eine Fehleranalyse zu machen – wofür hat man das Gerät schließlich dabei. Der Schwerpunkt liegt aber immer bei der Bordspannung und Fehler im ABS. Das die Batterie nicht genügend Kraft hat, merken wir natürlich auch so und das ABS braucht auf diesem groben Pisten eh keiner. Nach der Starthilfe durch die große GS, springt auf die kleine GS wieder an, wir gucken das wir irgendwie zur Estancia kommen, beim Öffnen des Aussengatters zur Farm, fällt sie natürlich wieder aus und nach nochmaligen Überbrücken kommen wir tatsächlich bis kurz vors Haus, hier ist aber definitiv Ende.
Maria kann uns noch ein allerletztes (sehr einfaches) Zimmer mit Gemeinschaftsbad überm Hof anbieten, da sie am Abend noch eine Gruppe erwartet und die anderen Zimmer mit Private Bad reserviert sind. Wir sind natürlich dankbar das wir überhaupt unterkommen.
Als erstes prüfen wir nochmal die Batterie durch, aber diese ist mehr als tot und lässt sich auch nicht mehr überbrücken. Marias Mann kann uns mit einem Ladegerät helfen und so stellen wir die Batterie über Nacht zu uns ins Zimmer, damit sie laden kann – aber schon in der Nacht stellen wir fest das sie keinen Strom hält.
Da wir hier keinen Netzempfang haben und es auch kein Internet gibt, dürfen wir vom Festnetz im Haupthaus den AvD anrufen. Wozu haben wir eigens für diese Reise ein weltweites rundum Sorglospaket abgeschlossen? Dann wollen wir es jetzt auch nutzen. Der wenig freundliche junge Mann in Frankfurt erklärt uns zunächst einmal das wir uns in Argentinien selbst Hilfe organisieren müssen und wir später die Rechnung einreichen dürfen. Auch auf mehrfache Erklärung, das wir hier dringend auf Unterstützung angewiesen sind, weil wir evtl. einen Abschleppdienst, Ersatzteile oder Unterstützung bei der Recherche nach einer Werkstatt benötigen, verhallen in der Leitung – wir können ihm mit Mühe noch ein Aktenzeichen und seinen Namen rausleiern, dann ist das Gespräch beendet. Wir sind entsetzt und entsprechend Frustriert, aber das wird bestimmt zur Gegebenen Zeit noch ein Nachspiel haben.
Unsere gesamten Notizen über Werkstätten die Hilfe in Argentinien und Chile anbieten könnten liegen gut gesichert in der Cloud…
Wir erklären Maria unsere missliche Lage und sie sagt ein Freund in El Calfate (300km entfernt, wäre für uns eigentlich auch das nächste Ziel gewesen) hat eine große Werkstatt und fährt BMW – aber es ist nicht nur irgendeine Werkstatt, sondern DIE Werkstatt, die MotoAventura supporten soll. MotoAventura mit Sitz in Osorno/Chile ist der größte Motorradverleih und Motorradreiseanbieter in Südamerika. Über Silvester und Neujahr geht natürlich nichts, aber am Dienstag Abend kommt eine Motorradgruppe mit Transporter hier zur Estancia.
Lago General Carrera und erster Grenzübertritt nach Argentinien
29.12.2017 – Um 11 Uhr entern wir die Fähre von Puerto Ibanéz und nach einer angenehmen 2-stündigen Fahrt über den See, treffen wir in Chile Chico ein.
Der General Carrera ist mit 2240 km² der größte See Chiles und nach dem Titicaca der zweitgrößte Südamerikas. Allein die Hauptader des Sees (ohne Nebenarme), erstreckt sich über eine Länge von 180km. Er liegt direkt auf der Grenze zwischen Chile und Argentinien. Auf dem chilenischen Gebiet ist er von den südlichen Anden umgeben, am Westufer ist der Monte San Valentin, mit 4058m der höchste Andengipfel hier im Süden. Die unglaubliche blaugrüne Farbe des Sees begleitet uns noch ein Stück entlang der Uferstraße, die dann zum 6km entfernten Chilenischen- und Argentinischen Grenzübergang führt.




An beiden Grenzübergängen ist relativ wenig los, wir parken in beiden Fällen seitlich der Straße auf den vorgesehenen Parkplätzen und gehen mit all unseren Dokumenten, in die recht neuen Gebäude. Zuerst müssen wir uns an dem Ausreiseschalter ausweisen, die Chilenen stempeln für jeden von uns einen kleinen Papierzettel ab und auch in unseren Reisepässen wird die Ausreise dokumentiert. Am zweiten Schalter dauert das gesamte Prozedere für das Einführen unsere Motorräder nur unwesentlich länger, nach 2-3 Minuten Fahrt erreichen wir auch schon die Argentinische Station und das gleiche Vorgehen für die Einreise in Argentinien ist auch in 20 Minuten abgewickelt. Hier helfen uns die in Valparaiso sorgfältig vorbereiteten Zolldokumente, die jetzt einkassiert werden und bei den nächsten Grenzübertritten immer wieder ausgefüllt werden müssen.
Da wir für heute keine größere Strecke mehr fahren werden, genießen wir am frühen Nachmittag eine leckere Pizza in Los Antiguos, in einem schönen Lokal das von einer jungen Holländerin geführt wird. Wie gut das man uns bei der Bestellung darauf hinweist, das diese Pizzen „groß“ sind, zu zweit schaffen wir das Riesenteil kaum. …irgendwie ist in Argentinien immer alles groß, aber dazu irgendwann später mal mehr.
Los Antiguos ist wirklich ein hübscher Ort, alles sehr gepflegt, mit vielen kleine Einfamilienhäusern und einigen Restaurants und Cafés, die man in andern Orten eher suchen muss. Es gibt zahlreiche kleine Farmen, die von dem Anbau von Erdbeeren, Kirschen, Äpfeln, Aprikosen und Pfirsichen leben. Erdbeeren und Kirschen gibt es jetzt schon reichlich, da die Jahreszeit etwa Anfang Juni bei uns entspricht.
In dem nächsten Ort Perito Moreno (60 km Fahrstrecke und nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Gletscher bei El Calafate) finden wir sofort das Hotel, in dem wir eigentlich anfragen wollten, aber gleich daneben das Hotel Kelman (klingt auch so schön Deutsch) sieht deutlich besser aus, ist preiswerter und hat hinterm Haus einen eigenen Parkplatz
Unsere technischen Probleme mit der F800GS
Beitrag vom Tourguide: Nachdem wir von der Ruta 40 auf die geschotterte, frühere Hauptroute Ruta Provincial 29 abgebogen waren sagte mir Angelika, daß die ABS Leuchte brennt. Nun, kann ja mal vorkommen – nichts bei gedacht: mach mal aus und wieder an…. Nur das wieder anlassen funktionierte nicht – die Batterie war so gut wie leer. Wir haben dann beide Mopeds nebeneinander gestellt, alles aufgeschraubt und überbrückt – das ganze bei 80 – 90 km/h Seitenwind. Nach einer halben Stunde ging es dann weiter (behindert haben wir Niemanden – da Niemand vorbei kam). Nach weiteren 20 km kamen wir dann bei der Estancia La Angostura mit Zimmervermietung an, unsere Rettung (nach nochmaliger Starthilfe kurz hinter dem Gatter zur Farm, fuhr das Kalb dann noch bis zum Haupthaus mit Rezeption und ging wieder aus. Somit Batterie ausgebaut und geladen – morgens wieder kein Strom (da kommt erst einmal ein Plattenschluss der Batterie in Frage). Wir riefen über das Satellitentelefon der Gastgeber den AvD an – der zuständige Mitarbeiter sagte uns jedoch keine Pannenhilfe zu (nach unseren Unterlagen steht die uns weltweit zu !!!) – in Argentinien müßten wir das schon selbst organisieren. Unsere Vermieterin bemühte sich sehr um uns und teilte uns mit, daß von MotoAventura aus Chile nach weiteren 2 Tagen eine Gruppe mit Mechaniker und Ersatzteilen ankommen soll. So vergingen unser Tage im Nirgendwo und endlich eine neue Batterie…. Das Diagnosegerät fand keinen neuen Fehler!
Das Kalb fuhr gut los, nach ca. 3 Stunden kam von Angelika wieder die Meldung mit dem ABS-Lämpchen und kurz danach die Ansage, dass alle Cockpitanzeigen ausgefallen sind. Auf einem der grauenvollsten Stücke der Ruta 40 ging dann der Motor einfach aus – somit lag es doch nicht (nur) an der Batterie. Nachdem ich mit unserem Diagnosegerät das Steuergerät nicht einmal mehr ansprechen konnte habe ich mittels Überbrückung das Kalb eine Viertelstunde lang geladen – und es kam wieder Leben in die Elektrik.
Nachdem wir das Frontlicht lahmgelegt und das Kalb mittels Starthilfe in Gang gebracht hatten, durfte Angelika die nächsten 50 km nicht mehr anhalten. Bei der Tankpause sprang das Kalb dann wieder mit dem E-Starter an und wir erreichten El Calafate nach 330 km von der Estancia. Hier gibt es eine Motorradwerkstatt, der Inhaber wird el Mono genannt (der Affe), kümmerte sich aber rührend um das Kalb, maß die Ladespannung (bei fast leerer Batterie unter 13 V) und diagnostizierte einen Stratorschaden (Lima). Das passt dann auch zu unseren Beobachtungen, dass da noch etwas lädt, aber nicht genug bei mehreren Verbrauchern….
Heute bekamen wir dann den Preis für die Lima in Chile (in Argentinien ist eine Reparatur nicht möglich): ca. 2800 USD. Somit blieb mir nichts anderes übrig als mal ins Netz zu schauen: der Strator kostet in Deutschland unter 200 EUR – und geht bei den Modellen von vor 2012 alle 40-60 tkm kaputt, danach wurde die Lima geändert 😦 …… Somit werden wir die Südrunde nun abkürzen und nur bis zum südlichsten Fastlandspunkt Amerikas bei Punto Arenas fahren, bevor wir die Biege nach Norden entlang der Atlantikküste machen. Bei Bariloche werden wir wieder nach Chile zurück fahren und das Kalb dann vorzeitig in Valparaiso abgeben und vermutlich den Norden in die Atacama mit einem Mopped machen.
Die Argentinische Pampa hat uns wieder freigebeben
Hallo Ihr Lieben,
wir Danken euch ganz doll für die vielen lieben Neujahrsgrüße, die uns erst „heute“ erreicht haben. Man mag es kaum glauben, aber es gibt sie noch, Ort an denen es weder irgendein Telefonnetz, noch Internet gibt – und wenn man auf der Estancia ganz nett fragt, man kurz über das Satelitentelefon ein Lebenszeichen absetzen kann.
Uns geht es gut, heute haben wir während der Fahrt einen Blick auf den Fritz Roy (3400m / Bild folgt) werfen dürfen. Leider haben wir bei der F800 einen Elektrikschaden, den wir morgen näher verifizieren lassen und vielleicht Pläne B, C und D aus der Tasche zaubern müssen. Grüße aus El Calafate, ab Morgen gibt es wieder mehr Neuigkeiten.